2. Platz – Oberes Plateau Petersberg in Erfurt

Verfahren:
Mehrfachbeauftragung mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

Erläuterung
Der Petersberg, ein lange Zeit aus dem Bewusstsein der Erfurter verdrängter Ort, hat sich in den letzten 25 Jahren zum grünen Herzen und beliebten Ausflugsziel für Touristen und Einheimische entwickelt. Durch die jahrelange, mühevolle Freilegung und Sanierung der Zeitzeugen seiner vielschichtigen Historie präsentiert sich der Petersberg wieder als prägnanter Teil der Erfurter Stadtgeschichte. Er verbindet Menschen und Stadteile, Geschichte, Erholung und Tourismus zu einem einmaligen Ensemble. Er ist Anlaufstelle für Besucher und Einwohner gleichermaßen. Hier kann man sich erholen, bilden, spielen und spazieren. Daneben bietet er schon heute viel Potential, Natur in der Stadt oder Stadtnatur in vielfältiger Form zu erleben.

Konzept
Um die vorhanden Potentiale noch besser zu nutzen, wird ein Konzept vorgeschlagen, welches Teilbereiche des Petersberges in 5 Themenschwerpunkte sortiert und die zukünftige Entwicklung organisiert:
– Natur in der Stadt
– Kinder- und Jugendförderung
– Geschichte und Tradition
– Veranstaltung und Event
– Erholung und Aussicht
Somit lassen sich extensiv und intensiv genutzte Bereiche unter Berücksichtigung des Bestands und der gewachsenen Strukturen herauskristallisieren. Die vorgeschlagenen Themen und Ihre Umsetzung sind dabei zwar räumlich verortet, jedoch so flexibel und weit gefasst wie möglich umsetzbar. Überlagerungen, Mehrfachkodierungen der Flächen und Räume sowie Synergie-Effekte sind dabei gewünscht und sollten bewusst zugelassen werden.

Oberes Plateau Petersberg
Bei allen schon vorhandenen Potentialen und Nutzungen, welche durch die Sanierungsmaßnahmen und Neubauprojekte in den letzten 25 Jahren umgesetzt wurden, fehlt dem Petersberg bis heute eine repräsentative, starke Mitte. Die historisch wertvolle Peterskirche und die räumlich dominante Defensionskaserne haben mit dem möglichen Einzug des Thüringer Landesmuseums die Chance, die tragende Rolle im Gesamtensemble Petersberg einzunehmen. Die entsprechende Außenraumgestaltung wird dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Der Entwurf sieht vor, die Peterskirche mit einer befestigen Traufe aus Riemchen-Naturstein-Pflaster auf das annähernd historische Höhenniveau anzuheben. Die großzügige Platzfläche vor der Kirche unterstreicht deren Erhabenheit und bildet zusammen mit den niveaugleichen Rasenflächen die zentrale Mitte des Petersberg-Plateaus. In Anlehnung an die Nutzung als Exerzierplatz wird die Fläche mit einem hellen Belag aus Possehl hergestellt (Asphaltbelag mit einer Deckschicht aus reaktionsharzgebundenen Gesteinskörnungen), der sich schon bei der BUGA 2011 in Koblenz bewährt hat. Bänke als lineare Elemente lenken und weisen in Richtung der Haupteingänge Kaserne / Landesmuseum und Peterskirche. Die Platzfläche wird auf der Nordseite von geschnittenen, flachen Heckenkörpern mit lockeren Solitärgehölzen gerahmt. Ein Wasserbecken belebt als Adaption der Peterbornquelle den Platz und bringt das Thema Wasser zurück auf den Petersberg. Der erhaltenswerte, raumbildende Baumbestand bleibt zum Großteil erhalten. Die Kastanienreihe entlang der südlichen Platz- bzw. Rasenfläche wird ergänzt und dadurch wieder räumlich erlebbar, die Zufahrtsstraße bleibt für Anlieferung, Feuerwehr und zum Erreichen der Behindertenstellplätze am TLDA ablesbar und wird zur barrierefreien Nutzung aus geschnittenen Naturstein-Pflaster im Passe-Verband hergestellt.

Der Stadtbalkon als zentraler Willkommensbereich
Mit der Schaffung eines barriefreien Zugangs zum Petersberg gewinnt der, bei Touristen und Einheimischen beliebte, Stadtbalkon weiter an Bedeutung. Die Platzfläche zwischen Glashütte und Festungsmauer mit Blick auf Dom und Severi, über die Altstadt, von der EGA über den Steigerwald bis hin zum Ettersberg im Osten ist der Ausgangspunkt zur Erkundung des Petersbergs. Die Schaffung eines neuen Info-Pavillons im Zuge der BUGA 2021 unterstreicht diese wichtige Funktion noch einmal. Der Entwurf schlägt eine parkettartigem Belag aus schmalen Naturstein-Platten vor, der sich von der Festungsmauer, um die Glashütte bis zum neuen Besucherzentrum am Kommandantenhaus erstreckt und sowohl die Ruine der Leonhardskapelle als auch den zu erhaltenden Baumbestand mit einbindet. Wichtige Sicht- und Wegeverbindung zwischen den Gebäuden über den Exerzierplatz hinweg werden gestärkt oder neu geschaffen.

Auftraggeberin:
Stadtverwaltung Erfurt,
Dezernat für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften (Dezernat 4), Fischmarkt 1, 99084 Erfurt
Mitwirkung:
Stadtverwaltung Erfurt, Stabsstelle BUGA, Heinrichstraße 78, 99092 Erfurt

Visualisierung:
Kathleen Gänse – juli architektur I design. Kulmbach
Büro für Innenarchitektur, Visualisierung und Messe

Bearbeitungszeitraum: Juni 2018